Pluskreis Proportion oder die Verhältnisse

Ein Sehverständnis entwickeln, das sich auf die Verhältnisse einlässt, die sie vor ihrem Auge wahrnehmen, darum geht es bei der Proportion. Mit Verhältnissen sind einmal die Längen-, Höhen-, und Tiefenverhältnisse, also die Außenformen gemeint und damit auch die Flächenverhältnisse der Formen. Eine bestimmte Breite steht in einem bestimmten Verhältnis zur Höhe. Diese müssen sie erkennen lernen.
 

Der innere Kampf um richtig oder falsch

Dabei macht ihnen erstmal ihr Verstand einen Strich durch die Rechnung. Ihrem Auge beibringen, dass was sie wirklich siehen zu vertrauen und damit dem nonverbalen Teil ihres Verstandes die Führung über den verbalen Teil zu geben wird ihnen gerade am Anfang schwer fallen.

Sie spüren ein Ringen um die Vorherrschaft von althergebrachten, gewohnten und bewährten Bewertungen ihres Verstandes, der darauf beharrt, Dinge so zu sehen, wie er sie schon immer gesehen hat. Es ist wie ein innerer Kampf mit sich selbst. Doch was genau müssen sie eigentlich sehen lernen?
 

Pluskreis Anfangshürden

Ihr verbaler Verstand weiß natürlich, dass es so aussehen muss. Sie zeichnen z.B. eine Hand und denken, dass die Hand so aussehen muss. Doch das ist Falsch. Sie sehen eine Kurve, aber wo macht die Kurve einen engeren Bogen und wo läuft sie weiter aus. Was macht die Nachbarlinie. Schwer die Proportionen am Anfang sehen zu lernen und dann mit dem inneren Widerständen zu kämpfen. Dem wirklich gesehenen zu vertrauen ist eine enorm wichtige Leistung, die beim Zeichnen von ihnen erlernt werden muss.
 

Wenige Geraden, viel mehr Kurven

Die meisten Körper, die sie aus ihrer Umgebung zeichnen, bestehen nicht aus geraden Linien, sondern aus Kurven und komplizierten Formen. Diese stehen aber in einem bestimmten Verhältnis zueinander und genau diese Verhältnisse zueinander müssen sie sehen lernen. Das muss geübt werden und fordert ihre ganze Kraft, dass werden sie sehr schnell merken.
 

Fixieren wie auf einem Foto

Um diese Linien aus der Wirklichkeit abtragen zu können hilft ihnen die Idee einer Bildebene. Sie sehen die Wirklichkeit wie auf einem Foto, einem Polaroid (ein Sofortbild) oder auch als ob ihre Umgebung in einem bestimmten Zustand eingefroren wäre. Ihre Objekte, die sie zeichnen wollen, sind nun fixiert. In diesem Stillstand greifen sie sich die Linien und Verhältnisse ab. Sie können also die Größenverhältnisse oder Proportionen herausmessen und aufs Blatt übertragen. Dieses Sehverständnis zu erlernen ist im naturalistischen Zeichnen der erste wesentliche Schritt um bessere Ergebnisse zu erzielen.
 

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