Pluskreis Zeichnen umgangssprachlich verstanden

In unserer alltäglichen Vorstellung bedeutet Zeichnen, mit einem Bleistift auf einem Blattpapier alles darzustellen, was wir sehen. Schaffen wir das nicht, können wir nicht zeichnen.

Da wir die Gegenstände, die wir zeichnen, gewohnt sind richtig zu sehen, erkennen wir sofort, wenn die Zeichnung falsch ist. Seltsame Formen, falsche Größenverhältnisse, falsche Perspektiven werden instinktiv als komisch empfunden.
 

Zeichnen als Tätigkeit

Zeichnen ist eine Tätigkeit, bei der der ganze Körper mit einbezogen wird. Wenn sie zeichnen werden sie merken, wie sie völlig von der Aufgabe in Anspruch genommen werdeb. Ihr Geist muss sich komplett auf das Zeichnen konzentrieren und hat keine Zeit mehr für andere Dinge.

Ihr Körper ist mit der handwerklichen Umsetzung beschäftigt. Ihre Hand führt das Zeichenwerkzeug über das Blatt, um eine exakten Strichführung zu erzielen.
 

Völlige Konzentration

Die Objekte so sehen, dass sie sie zeichnerisch verstehen, übernimmt ihre bildliche Intelligenz. Diese muss dabei die drei Dimensionen (Breite, Höhe und Tiefe) des Objektes auf die Zweidimensionalität des Blattes (Breite und Höhe) reduzieren und in ein abstraktes Strichmuster umwandeln.

Auf dem Blatt kann das gesehene Objekt nur mit den limitierten Darstellungsformen von Punkt, Strich und Verschmieren des Grafits dargestellt werden. Dies ist eine enorme visuelle, abstrakte und kreative Leistung und benötigt ihre ganze Konzentration beim Zeichnen.
 

Pluskreis Grundfertigkeiten beim Zeichnen

Zeichnen erfordert eine Darstellung auf dem Blatt, die das Auge versteht. Dieses Zeichnen lässt sich vergleichen mit dem erlernen des Alphabets. Hat man dies gelernt, so kann man anfangen Wörter und ganze Texte zu lesen. Im Zeichnen ist dies das Erlernen, so zu zeichnen, dass das Auge die vorgetäuschten gezeichneten Realitäten akzeptiert und für real hält.
 

Sie können mit allem anfangen zu Zeichnen

Ein Beispiel: Sie wollen zeichnen lernen anhand von Comic-Figuren und nicht von Stillleben. Dann geht es in erster Linie darum, dass die Comic-Figuren auch vom Auge des Betrachters verstanden werden. Fragt aber einer, was das denn sein soll, hat es nicht geklappt. Im positiven Fall sind diese Grundfertigkeiten kein Problem mehr und sie können weitergehen im Zeichenprozess.
 

Zeichnen und seine Vielfalt

Nun haben sie also das zeichnerische Alphabet gelernt und können anfangen, im übertragenen Sinn eigene Texte zu schreiben. Das bedeutet, alle Ihre Gedanken, die sie selbst in ihrem Kopf mit sich herum tragen, oft sind es ja bildliche Gedanken, können nun den Raum nach draußen finden. Stellen sie sich nur diese Möglichkeit vor. Und das Beste, es ist international, jeder versteht ihre Zeichnung. Dies ist der große Unterschied zur Sprache.
 

Naives Zeichnen

Natürlich kann auch ohne die Grundfertigkeiten gezeichnet werden. Das naive Zeichnen hat einen ganz eigenen Reiz. Wir erkennen aber sehr wohl, ob etwas gut oder schlecht vom visuellen Verständnis her gezeichnet wurde und wenn die Frage auftaucht, ich verstehe nicht, ist das nun der Arm, der Schatten oder schon der Hintergrund, hat die Zeichnung ihre Chance vertan. Eine gute Zeichnung braucht keine zusätzliche Erklärung. Alles andere ist Kunst die einen anderen Anspruch hat oder eben naiv gezeichnet (das heißt die Grundfertigkeiten werden nicht beherrscht).
 

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